Soli­da­ri­täts­er­klä­rung mit Memorial

Pro­test­zei­chung für Memo­rial von Lilya Matvejeva

Das Zentrum Libe­rale Moderne ver­ur­teilt die Ein­stu­fung von Memo­rial als „extre­mis­ti­sche“ Orga­ni­sa­tion durch das Oberste Gericht Russ­lands. Zusam­men mit anderen Orga­ni­sa­tio­nen ver­öf­fent­li­chen wir eine Solidaritätserklärung.

Erklä­rung der Allianz für Resi­li­enz und Sicher­heit zur Ein­stu­fung einer so genann­ten Memo­rial-Bewe­gung als extre­mis­ti­sche Organisation:

Die Allianz* für Resi­li­enz und Sicher­heit ver­ur­teilt die Ent­schei­dung des Obers­ten Gerichts der Russ­län­di­schen Föde­ra­tion, die soge­nannte „inter­na­tio­nale gesell­schaft­li­che Bewe­gung Memo­rial“ in einem nicht-öffent­li­chen Ver­fah­ren als extre­mis­ti­sche Orga­ni­sa­tion ein­zu­stu­fen. Memo­rial, eine der ältes­ten und bedeu­tends­ten Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen Russ­lands, hat über Jahr­zehnte hinweg staat­li­che Repres­sio­nen doku­men­tiert, das Geden­ken an die Opfer poli­ti­scher Gewalt bewahrt und Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen in der Gegen­wart sicht­bar gemacht. Ins­be­son­dere hat die Orga­ni­sa­tion kon­ti­nu­ier­lich zur Auf­ar­bei­tung poli­tisch moti­vier­ter Ver­fol­gung bei­getra­gen und damit einen unver­zicht­ba­ren Beitrag zur his­to­ri­schen Wahr­heit und zur Stär­kung zivil­ge­sell­schaft­li­cher Räume geleistet.

Als Zusam­men­schluss von Orga­ni­sa­tio­nen, die in der Russ­län­di­schen Föde­ra­tion als „uner­wünscht“ oder extre­mis­tisch ein­ge­stuft wurden und selbst von ver­gleich­ba­ren Repres­si­ons­maß­nah­men betrof­fen sind, stehen wir fest an der Seite von Memo­rial. Wir kennen die Mecha­nis­men poli­tisch moti­vier­ter Kri­mi­na­li­sie­rung, die gezielte Unschärfe recht­li­cher Kon­struk­tio­nen und die daraus resul­tie­ren­den Risiken für Mit­ar­bei­tende, Partner/​innen und Unterstützer/​innen aus eigener Erfah­rung. Die Arbeit von Memo­rial war und ist weit mehr als reine Doku­men­ta­tion – sie ermög­licht kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit staat­li­cher Gewalt und leistet einen unver­zicht­ba­ren Beitrag zur Ver­tei­di­gung von Wahr­heit, Erin­ne­rung und zivil­ge­sell­schaft­li­chem Enga­ge­ment unter zuneh­mend repres­si­ven Bedingungen.

Diese Ent­schei­dung stellt nicht nur einen Angriff auf Memo­rial dar, sondern auch auf his­to­ri­sche Auf­ar­bei­tung und die grund­le­gen­den Prin­zi­pien einer offenen und demo­kra­ti­schen Gesellschaft.

Wir rufen inter­na­tio­nale Insti­tu­tio­nen, poli­ti­sche Entscheidungsträger/​innen und die Zivil­ge­sell­schaft dazu auf, diese Ent­wick­lung klar zu benen­nen und sich soli­da­risch mit Memo­rial zu zeigen.

Unter­zeich­nende Per­so­nen und Organisationen:

  • Aka­de­mi­sches Netz­werk Ost­eu­ropa, akno e.V.
  • Aus­tausch e.V.
  • Deut­sche Gesell­schaft für Ost­eu­ro­pa­kunde e.V.
  • Dr. Stefan Meister, Leiter des Zen­trums für Ordnung und Gover­nance in Ost­eu­ropa, Russ­land und Zen­tral­asien der DGAP
  • Euro­päi­scher Aus­tausch gGmbH
  • Fried­rich-Naumann-Stif­tung für die Freiheit
  • Hein­rich-Böll-Stif­tung e.V.
  • LibMod – Zentrum Libe­rale Moderne
  • n‑ost – Network for Border Crossing Jour­na­lism e. V.
  • Stif­tung Erin­ne­rung, Ver­ant­wor­tung und Zukunft

*) Die Allianz für Resi­li­enz und Sicher­heit ist ein infor­mel­ler Zusam­men­schluss in Deutsch­land ansäs­si­ger Orga­ni­sa­tio­nen aus Medien, Wis­sen­schaft und Zivil­ge­sell­schaft (NGOs), die vom Jus­tiz­mi­nis­te­rium der Russ­län­di­schen Föde­ra­tion als „uner­wünschte“ oder sogar extre­mis­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen gelis­tet wurden oder davon bedroht sind. Sie ver­steht sich als Netz­werk-Platt­form für Aus­tausch, Koope­ra­tion und gegen­sei­tige Sen­si­bi­li­sie­rung zu dem Thema.


Hin­ter­grund:

Das Oberste Gericht Russ­lands hat am 9. April eine „Inter­na­tio­nale Bewe­gung Memo­rial“ zur „extre­mis­ti­schen Orga­ni­sa­tion“ erklärt. Obwohl eine solche Bewe­gung juris­tisch nicht exis­tiert, gibt die Ent­schei­dung der rus­si­schen Justiz die Mög­lich­keit, alle Per­so­nen, die für die zahl­rei­chen Memo­rial-Orga­ni­sa­tio­nen und Unter­or­ga­ni­sa­tio­nen gear­bei­tet haben, unter den dra­ko­ni­schen Extre­mis­mus-Geset­zen des Landes zu verfolgen.

Russ­land hatte 2021/​2022 die Dach­or­ga­ni­sa­tion Memo­rial Inter­na­tio­nal sowie das Memo­rial-Men­schen­rechts­zen­trum auf­ge­löst. Im Februar 2026 wurden die Nach­fol­ge­or­ga­ni­sa­tion Zukunft Memo­rial (Berlin) sowie die in Genf ansäs­sige neue Dach­or­ga­ni­sa­tion „Asso­cia­tion Inter­na­tio­nal Memo­rial“ von Russ­land zu uner­wünsch­ten Orga­ni­sa­tio­nen erklärt.

Memo­rial erhielt 2022 gemein­sam mit dem bela­ru­si­schen Men­schen­rechts­an­walt Ales Bjal­jazki und der ukrai­ni­schen Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tion Center for Civil Liber­ties den Friedensnobelpreis.

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